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Schnitt und rückschnitt des japanischen ahorns

Daria · 01.04.2025.

Der Schnitt des japanischen Ahorns ist eine Kunstform, die Feingefühl, Wissen und eine klare Vorstellung von der gewünschten Ästhetik erfordert. Im Gegensatz zu vielen anderen Gehölzen, die einen regelmäßigen und kräftigen Rückschnitt benötigen, um ihre Form oder Blühfreudigkeit zu erhalten, zeichnet sich der japanische Ahorn durch seine natürliche, malerische Wuchsform aus. Ein Schnitt ist daher oft gar nicht oder nur in sehr geringem Maße notwendig. Wenn jedoch Korrekturen erforderlich sind, zielt der Schnitt darauf ab, diese natürliche Schönheit zu unterstreichen, die Gesundheit der Pflanze zu fördern und eine harmonische Struktur zu erhalten, anstatt sie radikal zu verändern. Ein falscher oder zu starker Schnitt kann die elegante Wuchsform unwiederbringlich zerstören, weshalb hier besondere Vorsicht und Zurückhaltung geboten sind.

Das primäre Ziel des Schnitts beim japanischen Ahorn ist es, die Gesundheit der Pflanze zu erhalten und zu fördern. Dies geschieht durch das Entfernen von totem, krankem oder beschädigtem Holz. Abgestorbene Äste sind nicht nur unansehnlich, sondern können auch als Eintrittspforte für Krankheitserreger wie Pilze dienen. Durch das saubere Entfernen dieser Äste bis ins gesunde, lebende Gewebe wird die Pflanze entlastet und das Risiko von Infektionen minimiert. Dies ist die grundlegendste und wichtigste Form des Schnitts, die bei Bedarf jederzeit durchgeführt werden kann.

Ein weiteres wichtiges Ziel ist die Verbesserung der Kronenstruktur, um eine gute Luftzirkulation und Lichtdurchlässigkeit zu gewährleisten. Äste, die sich überkreuzen, aneinander reiben oder zu dicht nach innen wachsen, sollten entfernt werden. Sich reibende Äste verursachen Wunden an der Rinde, die ebenfalls Infektionen begünstigen können. Eine zu dichte Krone verhindert, dass Luft und Licht ins Innere gelangen, was die Entstehung von Pilzkrankheiten fördert und dazu führt, dass die inneren Blätter verkümmern. Ein sanftes Auslichten schafft eine gesündere und optisch ansprechendere Struktur.

Der Formschnitt dient dazu, die natürliche, oft mehrstufige und skulpturale Wuchsform des Ahorns zu betonen und zu verfeinern. Hier geht es nicht darum, die Pflanze in eine künstliche Form zu zwingen, sondern darum, ihre charakteristischen Linien hervorzuheben. Dies kann durch das Entfernen von unharmonisch wachsenden Zweigen oder das gezielte Einkürzen von zu langen Trieben geschehen, um die Balance und Proportion der Krone zu verbessern. Dieser ästhetische Schnitt erfordert ein gutes Auge und sollte mit großer Bedachtsamkeit erfolgen, wobei jeder Schnitt gut überlegt sein muss.

Was der Schnitt beim japanischen Ahorn nicht sein sollte, ist ein radikaler Rückschnitt oder ein Formschnitt mit der Heckenschere. Solche brutalen Eingriffe zerstören die filigrane Aststruktur und führen zu einem unnatürlichen „Besenwuchs“ aus vielen kleinen Trieben an den Schnittstellen. Der japanische Ahorn verzeiht schwere Schnittfehler nur schlecht und braucht oft Jahre, um sich davon zu erholen, wenn überhaupt. Weniger ist hier definitiv mehr, und das Hauptziel bleibt immer, die natürliche Eleganz der Pflanze zu unterstützen.

Der beste zeitpunkt für den schnitt

Die Wahl des richtigen Zeitpunkts für den Schnitt ist von entscheidender Bedeutung, um die Pflanze so wenig wie möglich zu stressen und eine gute Wundheilung zu gewährleisten. Der absolut beste Zeitpunkt für die meisten Schnittmaßnahmen ist der späte Winter, von etwa Ende Januar bis Anfang März. In dieser Zeit befindet sich der Baum in seiner vollen Winterruhe (Dormanz), der Saftfluss hat noch nicht eingesetzt, und die Wunden können mit dem Beginn der Wachstumsperiode im Frühling schnell heilen. Zudem ist die Aststruktur ohne Laub gut sichtbar, was die Beurteilung der zu schneidenden Äste erheblich erleichtert.

Ein zweites, gutes Zeitfenster für kleinere Korrekturschnitte, insbesondere für das Auslichten und das Entfernen dünnerer Triebe, ist der Hochsommer, etwa von Mitte Juli bis Ende August. Zu diesem Zeitpunkt ist das Hauptwachstum der Pflanze abgeschlossen, und der Saftdruck ist nicht mehr so hoch wie im Frühling. Der Baum kann kleinere Wunden schnell verschließen, und die sofortige Blattreaktion zeigt, wie der Schnitt die Lichtverhältnisse in der Krone beeinflusst. Der Sommerschnitt führt zudem zu einem weniger starken Neuaustrieb als der Winterschnitt.

Unbedingt vermeiden solltest du einen Schnitt im Frühling, während des Blattaustriebs und des stärksten Saftflusses (etwa von April bis Juni). Der Ahorn „blutet“ zu dieser Zeit sehr stark aus den Schnittwunden, das heißt, es tritt in großen Mengen Pflanzensaft aus. Dieser hohe Saftverlust schwächt die Pflanze erheblich und macht sie anfällig für Krankheiten. Die klebrigen Wunden sind eine ideale Brutstätte für Pilze und Bakterien. Lasse deinen Ahorn in dieser kritischen Phase des Wachstumsstarts unbedingt in Ruhe.

Auch der Herbst ist kein idealer Zeitpunkt für einen Schnitt. Die Wunden haben vor dem Wintereinbruch nicht mehr genügend Zeit, um vollständig zu verheilen. Offene Wunden sind im feuchten und kühlen Herbstwetter besonders anfällig für Pilzinfektionen. Zudem kann Frost in das ungeschützte Gewebe eindringen und zusätzliche Schäden verursachen. Halte dich also an die beiden empfohlenen Zeitfenster – den späten Winter für größere Eingriffe und den Hochsommer für Feinarbeiten –, um deinem Ahorn die besten Bedingungen für eine schnelle Erholung zu geben.

Werkzeuge und grundlegende schnitttechniken

Die Verwendung von hochwertigem, scharfem und sauberem Werkzeug ist die Grundvoraussetzung für einen gelungenen Pflanzenschnitt. Stumpfe Werkzeuge quetschen das Gewebe, anstatt es sauber zu durchtrennen, was zu ausgefransten Wunden führt, die schlecht heilen und anfälliger für Krankheiten sind. Für dünnere Zweige bis zu einem Fingerdurchmesser ist eine gute Bypass-Gartenschere ideal. Für dickere Äste solltest du eine Astschere mit längeren Griffen oder eine feinzahnige japanische Zugsäge verwenden, die sehr saubere und glatte Schnitte ermöglicht.

Vor und nach dem Gebrauch, und insbesondere beim Wechsel von einer Pflanze zur nächsten oder nach dem Schneiden von krankem Holz, musst du deine Werkzeuge unbedingt desinfizieren. Dies verhindert die Übertragung von Krankheitserregern. Dafür kannst du die Klingen einfach mit Spiritus oder einem Desinfektionsmittel abreiben. Dieser kleine Schritt ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Gesunderhaltung deiner Pflanzen.

Die grundlegende Schnitttechnik besteht darin, einen Ast immer direkt am Astring abzuschneiden. Der Astring ist die leicht verdickte Wulst am Übergang des Astes zum Stamm oder zu einem größeren Ast. In diesem Bereich befinden sich besonders viele teilungsfähige Zellen, die für eine schnelle Wundheilung sorgen. Schneide niemals bündig am Stamm, da dies den Astring verletzt und eine große, schlecht heilende Wunde erzeugt. Lasse aber auch keinen langen Stummel (einen sogenannten „Kleiderhaken“) stehen, da dieser abstirbt und als Eintrittspforte für Fäulnis dient.

Wenn du einen Trieb nur einkürzen möchtest, setze den Schnitt immer etwa einen halben Zentimeter über einer nach außen weisenden Knospe oder einem Seitentrieb an. Der Schnitt sollte leicht schräg sein, damit Wasser ablaufen kann. Die neue Triebspitze wird sich aus der Knospe entwickeln, die direkt unter dem Schnitt liegt. Indem du eine nach außen weisende Knospe wählst, lenkst du das neue Wachstum aus der Krone heraus und förderst eine offene, luftige Wuchsform.

Der erhaltungsschnitt zur förderung der gesundheit

Der Erhaltungsschnitt ist die grundlegendste und wichtigste Schnittmaßnahme und sollte regelmäßig durchgeführt werden. Sein Ziel ist es, die Pflanze gesund und vital zu halten, indem alles entfernt wird, was ihr schaden könnte. Beginne die Arbeit immer mit einer gründlichen Inspektion des Baumes. Suche nach toten, gebrochenen oder offensichtlich kranken Ästen. Totes Holz erkennst du daran, dass es trocken und brüchig ist und keine Knospen mehr hat. Kratze im Zweifelsfall vorsichtig an der Rinde; ist das Gewebe darunter braun und trocken, ist der Ast tot, ist es grün und saftig, lebt er noch.

Entferne alle toten und beschädigten Äste sorgfältig am Ansatz, wie zuvor unter den Schnitttechniken beschrieben. Achte darauf, bis ins gesunde Holz zurückzuschneiden. Wenn du einen kranken Ast entfernst, beispielsweise einen, der von der Verticillium-Welke befallen ist, schneide besonders großzügig, mindestens 10 bis 15 Zentimeter tief ins gesunde Holz hinein. Desinfiziere dein Werkzeug nach jedem einzelnen Schnitt, um eine Verschleppung der Krankheit auf gesunde Pflanzenteile absolut sicher zu vermeiden.

Der nächste Schritt des Erhaltungsschnitts ist das Entfernen von sich kreuzenden oder aneinander reibenden Ästen. Wähle einen der beiden Äste aus, meist den schwächeren oder den, der die Wuchsform ungünstiger beeinflusst, und entferne ihn komplett. Dies verhindert die Entstehung von Rindenverletzungen und öffnet die Krone. Entferne ebenfalls Äste, die steil nach oben oder direkt ins Innere der Krone wachsen, da sie die Struktur stören und andere Äste beschatten.

Ein weiterer wichtiger Teil des Erhaltungsschnitts ist das Entfernen von Wasserschossen und Wildtrieben. Wasserschosse sind lange, dünne, schnell wachsende Triebe, die oft senkrecht aus älteren Ästen oder dem Stamm wachsen. Sie haben eine schwache Anbindung und stören die Harmonie der Wuchsform. Wildtriebe sind Triebe, die unterhalb der Veredelungsstelle aus der Wurzelunterlage wachsen. Diese müssen immer entfernt werden, da sie die Eigenschaften der robusten Unterlage und nicht die der edlen Sorte tragen und auf Dauer die Veredelung überwuchern würden.

Der formschnitt zur gestaltung der krone

Der Formschnitt, auch Gestaltungsschnitt genannt, ist ein ästhetischer Eingriff, der darauf abzielt, die natürliche Schönheit des japanischen Ahorns hervorzuheben und eine harmonische, ausgewogene Silhouette zu schaffen. Dieser Schnitt erfordert ein gutes Auge und sollte schrittweise und mit großer Zurückhaltung durchgeführt werden. Tritt während der Arbeit immer wieder ein paar Schritte zurück, um die Gesamtwirkung des Baumes zu beurteilen, bevor du den nächsten Schnitt ansetzt. Das Ziel ist es, die charakteristische, oft etagenförmige oder schirmartige Struktur der Krone zu betonen.

Beginne damit, die Krone sanft auszulichten, um ihre Struktur sichtbar zu machen. Entferne einige der dünneren, schwächeren Zweige im Inneren der Krone, um „Fenster“ zu schaffen, durch die man die interessante Verzweigung und die Rinde der Hauptäste sehen kann. Dies verleiht der Pflanze Tiefe und Leichtigkeit. Achte darauf, die natürliche Wuchsrichtung der Äste zu respektieren und zu unterstützen, anstatt gegen sie zu arbeiten.

Wenn einzelne Äste die Symmetrie stören oder zu lang geworden sind, kannst du sie einkürzen. Kürze den Ast nicht einfach irgendwo in der Mitte ein, sondern schneide ihn auf einen kleineren, nach außen oder unten weisenden Seitenzweig zurück. Diese Technik, der sogenannte Ableitungsschnitt, ist unauffälliger und sorgt für ein natürlicheres Aussehen als ein einfacher Kappschnitt. Auf diese Weise kannst du die Größe und Form der Krone kontrollieren, ohne die natürliche Verzweigungsstruktur zu zerstören.

Sei dir bewusst, dass jeder Schnitt das Wachstum anregt. Ein Schnitt ins alte Holz führt oft zu einem stärkeren Austrieb als ein Schnitt im jungen, einjährigen Holz. Nutze dieses Wissen, um das Wachstum gezielt zu lenken. Der Formschnitt ist ein fortlaufender Prozess, kein einmaliges Ereignis. Es ist besser, jedes Jahr ein paar kleine, überlegte Schnitte zu machen, als alle paar Jahre einen radikalen Eingriff vorzunehmen. Mit Geduld und Beobachtungsgabe kannst du so im Laufe der Zeit eine Pflanze von atemberaubender Schönheit formen.

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